Es scheint kontrovers: Lange Zeit stand ich Web-Anwendungen und Frameworks wie ExtJS oder qooxdoo und deren Entwicklung erleichtern kritisch gegenüber. Sie waren einfach nicht das Gleiche wie die mir vertrauten Anwendungen auf meinem Desktop.
Irgendwie “fühlten” sie sich einfach in der Bedienung nicht so komfortabel an. Ich fühlte mich nicht “in” der Anwendung sondern “davor”. Die GUI-Widgets reagierten noch ein wenig träge, es waren die kleinen Dinge in der Nutzung, wie z.B. dass ein SplitPane bei qooxdoo beim Resizen nicht live neugezeichnet wird sondern erst mit Abschluss des Events. All das sorgte bei mir immer für ein Gefühl des Neben-sich-Stehens bei der Bedienung solcher Web-Apps.
Auch ließen viele Frameworks (oder die Entwickler der darauf aufsetzenden Anwendung) oft Navigationshilfen wie sinnvoll platzierte Tabstops oder Features wie ein “Return heißt OK/Submit” vermissen – für mich als Tastatur- und Shortcut-verliebten User durchaus ein Hindernis.
Doch mittlerweile unterläuft mir bei den immer mehr genutzten Web-Apps dagegen ein Fehler, der eher vom Gegenteil zu zeugen scheint. Man stelle sich folgende Situation vor: Ich schreibe gerade eine Mail über GoogleMail und möchte kurz eine Website aufrufen. Instinktiv nutze ich (am Mac) die Apfel-Tab-Kombi um zu meinem Browser-Fenster zurückzukommen – nur um festzustellen, dass ich mich schon im Browser befunden hatte.
Wenn ich mir nun noch das neue MobileMe in den Demos von Apple anschaue, mit einem Look&Feel der im ersten Moment klar an die gewohnten Desktop-Apps erinnert so wird mir Angst und Bange (nun ja, so schlimm ist es auch wieder nicht) dass mir dies in Zukunft durchaus noch viel häufiger unterlaufen könnte – auch wenn ich MobileMe in nächster Zeit nicht nutzen werde. Es werden sicher genug andere Anbieter nachziehen.
Sieht man z.B. diesen “Finder” für die iDisk:

auf den ersten Blick sieht das Ganze doch mindestens so komfortabel aus wie der echte Finder. Wenn man nun noch annimmt – und das kann man bei Apple wohl getrost tun – dass sich in diesem ähnlich flink mit der Tastatur navigieren lässt… wohl schon sehr bald wird der Unterschied zwischen Desktop und Web Anwendungen völlig verschwimmen, auch da es mittlerweile Frameworks wie Google Gears gibt.